© Ante Gugic
Mur-Drau-Donau: Erster 5-Länder Biosphärenpark offiziell anerkannt
Eindrucksvolle Bilder aus Europas größtem Flussschutzgebiet
30 Jahre Naturschutz haben sich gelohnt: Am 15. September 2021 wurde der weltweit erste 5-Länder Biosphärenpark von der UNESCO anerkannt. Damit entstand Europas größtes Flussschutzgebiet entlang der Flüsse Mur, Drau und Donau. Das 930.000 Hektar große Gebiet umfasst 13 einzelne Schutzgebiete und erstreckt sich von der südlichen Steiermark über Slowenien, Ungarn und Kroatien bis nach Serbien.
Einzigartige, intakte Fluss-Landschaft
Das Besondere am 5-Länder Biosphärenpark: Aufgrund der historischen Grenzsituation zwischen Ost und West wurden große Teile der Flusslandschaften von Menschen nicht intensiv genutzt. Auch wenn die Flüsse nach der Öffnung der Grenzen in den 90er Jahren vermehrt menschlichen Eingriffen wie Flussregulierungen, Kraftwerksbauten oder Sedimentbaggerungen ausgesetzt waren, konnten sich Mur, Drau und Donau eine erstaunliche biologische Vielfalt und eine natürliche Flussdynamik bewahren. So erhielt das Gebiet auch den Namen „Amazonas Europas“.
Das macht den 5-Länder Biosphärenpark zu einem wahren Naturschatz:
- Er beherbergt die größten Auenwälder und die intaktesten Auengebiete der Donau
- 150 Seeadler-Brutpaare gibt es hier – die größte Brutdichte in Kontinentaleuropa
- Hier finden sich die wichtigsten Fischlaichgebiete entlang der Donau (neben dem Donaudelta)
- 250.000 Wasservögel rasten hier während der Zugzeit
- Die Zwergseeschwalbe, eine der seltensten Vogelarten, kommt hier vor
Lassen Sie sich von der Schönheit des Gebietes verzaubern:
Warum gerade ein 5-Länder Biosphärenpark?
Ökosysteme halten sich nicht an politische Grenzen. Doch diese entscheiden darüber in welcher Form die Ökosysteme geschützt und genutzt werden. In jedem Land gibt es dafür eigene Gesetze. Ein Länderübergreifender Biosphärenpark stellt daher eine Möglichkeit zur gemeinsamen Verwaltung der grenzübergreifenden Naturgebiete dar.
Vorteile für Mensch und Natur
13 einzelne Schutzgebiete bilden die Kern- und Pufferzonen des Biosphärenparks Mur-Drau-Donau. Hier steht der Naturschutz im Vordergrund. Die Kern- und Pufferzonen sind von einer etwa 650.000 Hektar großen Übergangszone umgeben. Diese birgt großes Potential für nachhaltige Land- und Forstwirtschaft sowie sanften Tourismus. In der Region leben und arbeiten etwa 900.000 Menschen. Der Biosphärenpark wird auch ihnen viele Vorteile bringen. Durch den Schutz und die Revitalisierungen werden die Flüsse widerstandsfähiger. Das trägt dazu bei, die Auswirkungen der Erderhitzung in der Region abzumildern und die Artenvielfalt zu stärken. Die Harmonisierung menschlicher Aktivitäten mit den Zielen des Biosphärenparks wird zu mehr grünen Jobs für die lokale Bevölkerung führen.
30 Jahre Naturschutz haben sich gelohnt
Alles begann mit einer Idee von ein paar Idealisten, unter ihnen unser WWF-Kollege Arno Mohl, ohne dessen Energie und Durchhaltevermögen wir diesen Erfolg nicht feiern könnten. Seit den 1990er Jahren engagiert sich der WWF mit regionalen Naturschutzpartnern für den Erhalt des Amazonas Europas. 2011 beschlossen die Umweltminister der fünf Länder die Gründung des Biosphärenparks. 2012 erhielten die Flussgebiete von Kroatien und Ungarn den Biosphärenpark-Status, gefolgt von Serbien (2017) und Slowenien (2018). 2019 wurden 13.000 Hektar Flusslandschaft der südoststeirischen Mur als ‚Biosphärenpark Unteres Murtal‘ ausgewiesen. Jetzt sind die einzelnen Biosphärenparks unter einem gemeinsamen Dach und UNESCO-Patronanz vereint.
„Die UNESCO-Anerkennung ist ein Meilenstein in der Entstehung einer mitteleuropäischen Modellregion, in der Naturschutz und nachhaltige Regionalentwicklung Hand in Hand gehen“, sagte WWF-Projektleiter Arno Mohl. „Ich freue mich sehr, dass dieser Schritt geschafft ist. Doch es liegt noch viel Arbeit vor uns, denn jetzt geht es an die Umsetzung des Biosphärenparks.“
Nächste Schritte: Umsetzung des 5-Länder Biosphärenparks
Die offizielle Anerkennung des 5-Länder Biosphärenparks durch die UNESCO war ein wichtiger erster Schritt. Jetzt beginnt die Umsetzungsphase. Der 5-Länder Biosphärenpark braucht eine gemeinsame Managementstruktur in allen fünf Ländern. Der langfristige Erfolg des Schutzgebietes hängt aber davon ab ob es gelingen wird, schädliche Aktivitäten zu minimieren und das Flussgebietsmanagement nachhaltig zu transformieren.
Trotz des Erfolgs der Anerkennung ist der Amazonas Europas weiterhin bedroht. Es gilt unter anderem neue Infrastrukturprojekte, Flussregulierung und Sedimentbaggerungen abzuwehren. Der WWF wird weiterhin Projekte an Mur, Drau und Donau umsetzen, um ein gemeinsames Management zu etablieren und bestimmte Flussabschnitte und Auwälder zu renaturieren.
Noch mehr über das Gebiet erfahren Sie hier.
Zahlen & Fakten
- Weltweit erster 5-Länder-Biosphärenpark
- Europas größtes Flussschutzgebiet: über 700 km und 930.000 Hektar
- Besteht aus 13 einzelnen Schutzgebieten (Natura 2000 Gebiete, Nationalpark, Naturreservat
- Rastplatz für 250.000 Wasservögel
- 150 Seeadler-Brutpaare – wichtigstes Brutgebiet in Europas
Links
- Der Amazonas Europas
- Das Rad-Erlebnis: Amazon of Europe Biketrail
- Drava LIFE – ein WWF-Projekt zur Revitalisierung der Drau