Tiwag will Ausbau Kraftwerk Kaunertal trotz zahlreicher Risiken und Naturgefahren durchboxen – WWF fordert Stopp und verweist auf Alternativen für naturverträgliche Energiewende
WWF zur Bodenstrategie: Zwei Jahre nach Ankündigung noch immer ausständig

Am 20. Oktober 2021 kündigte die damalige Landwirtschaftsministerin Elisabeth Köstinger die Erarbeitung einer österreichweiten Bodenstrategie innerhalb eines Jahres an – mit dem Ziel, den Bodenverbrauch bis 2030 auf 2,5 Hektar pro Tag zu verringern. Zwei Jahre später gibt es aber noch immer keine Einigung zwischen Bund, Ländern und Gemeinden. “Das sind zwei verpasste Jahre im Bodenschutz. Seit der politischen Ankündigung sind rund 90 weitere Quadratkilometer wertvolle Böden verbraucht worden – das entspricht fast der doppelten Fläche des Attersees”, kritisiert Simon Pories, Bodenschutzsprecher der Naturschutzorganisation WWF Österreich. Er nimmt daher den federführend zuständigen Landwirtschaftsminister Norbert Totschnig und die bremsenden Bundesländer und Gemeindevertreter in die Pflicht: “Jeden Tag, an dem nicht gehandelt wird, werden weitere Grünräume zubetoniert. Dadurch verlieren wir fruchtbares Ackerland, wichtige CO2-Speicher und Lebensräume für Tiere und Pflanzen.”
Der WWF fordert den Beschluss einer ambitionierten Bodenstrategie mit konkreten Zielen und einem Fahrplan bis 2030. Darauf aufbauend braucht es ein bundesweites Bodenschutzgesetz, damit die Strategie nicht als wirkungslose Absichtserklärung endet. “In Österreich werden täglich 12 Hektar Boden verbraucht, also fast fünf Mal mehr als politisch versprochen. Es ist deshalb fahrlässig, den Bodenschutz weiter auf die lange Bank zu schieben, während neue Straßen und Logistikzentren gegen alle Widerstände durchgeboxt werden”, kritisiert Simon Pories den langen Stillstand.
Die laufenden Verhandlungen in der Österreichischen Raumordnungskonferenz (ÖROK) haben bisher kein ambitioniertes Ergebnis gebracht. “Es wäre völlig inakzeptabel, wenn sich die Länder ihrer Verantwortung entziehen und das 2,5-Hektar-Ziel wieder nur verwässert in die Strategie kommt. Stattdessen müssen sich Bund, Länder und Gemeinden deutlich dazu bekennen”, fordert Simon Pories vom WWF.
Besonders wichtig sind verbindliche Zielwerte für die Bundesländer. Wie diese genau aussehen könnten, hat das Umweltbundesamt bereits im Frühjahr 2022 berechnet. Die Ergebnisse wurden jedoch bis heute nicht in die Bodenstrategie eingearbeitet, wie der WWF enthüllt hat. “Alle Länder müssen den Flächenfraß massiv reduzieren. Ansonsten sabotieren wir nicht nur den Klima- und Naturschutz, sondern gefährden auch die langfristige Ernährungssicherheit”, warnt Simon Pories vom WWF.
News
Aktuelle Beiträge
Neuer Klima-Check stellt Regierungsprogramm durchwachsenes bis schlechtes Zeugnis aus
WWF und Ökonomin Sigrid Stagl zeigen Chancen, Lücken und Widersprüche im neuen Koalitionspakt – Mehr Priorität für verbindlichen Klima- und Naturschutz gefordert
WWF: Kärntner Landesregierung will bis zu 740 Biber zur Tötung freigeben
Biber-Verordnung soll verlängert und verschärft werden – Zahl der erlaubten Tötungen wird mehr als verdoppelt – WWF kritisiert Angriff auf Artenschutz
19. WWF-Earth Hour: Weltweite Klimaschutzaktion am Samstag
Bundespräsident unterstützt Initiative – An berühmten Wahrzeichen rund um den Globus geht für eine Stunde das Licht aus – WWF Österreich fordert: “Klimaschutz – jetzt erst recht!”
WWF-Analyse: Bundesregierung muss beim Bodenschutz nachschärfen
Regierungsprogramm im Bodenschutz-Check: vereinzelt neue Ansätze, drohende Rückschritte – Bodenverbrauch weiter viel zu hoch – WWF fordert mehr Verbindlichkeit und echte Reformen
Erster Welttag der Gletscher: WWF für lückenlosen Schutz
Naturschutzorganisation fordert Politik zum Umdenken auf – Weitere Verbauung der Gletscher stoppen und als Zufluchtsorte für seltene Tiere und Pflanzen erhalten
Video: So arbeiten Naturschutzhunde gegen Wildtierkriminalität
Lea ist der erste WWF-Naturschutzhund. Im Video gibt es Einblicke, wie sie in der Praxis arbeitet.
Neuer WWF-Report: Tiefseebergbau würde Nachhaltigkeitsziele aushebeln
Internationale Meeresbodenbehörde berät über Rohstoffabbau in der Tiefsee – Neuer WWF-Report zeigt Risiken auf: UN-Nachhaltigkeitsziele und Weltnaturabkommen gefährdet
Nach Tiwag-Eingeständnis: WWF fordert Mattle zu Kaunertal-Stopp auf
Tiwag bestätigt, dass Bildung von Gletscherseen bisher “kein Thema” war – Risiko für Flutwelle wird ignoriert – WWF: “Mattle muss die Reißleine ziehen”